Mobilfunk

Drahtlose Übertragungstechnik – Richtfunk


Als Richtfunk bezeichnet man „eine drahtlose Übertragung von Nachrichten mit Hilfe von Radiowellen, die auf ein bestimmtes Ziel hin gerichtet sind“. Dies wird mittels Parabolantennen realisiert, die einen Strahl „gebündelter Sendeenergie“der genau auf die Gegenstelle ausgerichtet ist, aussenden.

Die Entwicklung des Richtfunks geht auf die Zeit vor dem 2. Weltkrieg zurück. So fand im März 1931 die erste öffentliche Vorführung der Richtfunkstrecke Calais-Dover statt. 1935 erzielte man in Deutschland erste Erfolge auf dem Gebiet der Richtfunktechnik , diese wurden zu militärischen Zwecken genutzt. Nach 1945 baute die Bundespost mit den Geräten der Wehrmacht und entsprechenden Weiterentwicklungen ein bundesweites Richtfunknetz auf. Fortan unterstützte das Richtfunknetz das drahtgebundene Telefonnetz u nd bildete über Jahre eine wichtige Stütze des analogen Fernnetzes. Fernmeldetürme wurden zum sichtbaren Zeichen dieser Technik. Diese Türme wurden gebaut, da für eine Richtfunkverbindung „freie optische Sicht“ zwischen Sende- und Empfangsantenn e, also ein Netz hochgelegener Relaisstationen, notwendig ist.

Als sich dann die DBP 1979 dazu entschloß, ihr Netz zu digitalisieren entwickelte man auch digitale Richtfunksysteme. Mit der Einführung der Glasfaserkabel und durch deren, im Gegensatz zum Richtfunk, nahezu unbegrenzten Übertragungskapazität, verlor der Richtfunk im Fernmeldewesen an Bedeutung. Sein Anteil ging von einst 35% (vor 1979) auf etwa 5% im Jahre 1990 zurück. Eine Anwendungen für den Richtfunk existieren aber heute noch, so zum Beispiel:

  • Überwindung geographischer Hindernisse (besonders wenn Kabelverlegung unrentabel)
  • Erhöhung der Betriebssicherheit von Kabelstrecken, Einsatz als sog. „Zweitweg“
  • Aufbau von transportablen Strecken
  • Übertragung von Radio- u. TV-Programmen
  • Satellitenkommunikation

Mobilfunk am Beispiel der BRD


Voraussetzung für die Entwicklung des Mobilfunks waren die 1887 von Heinrich Hertz entdeckten elektromagnetischen Schwingungen. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm der erste Mobilfunkdienst, nämlich der Seefunkdienst, seinen Betrieb auf. Grund war zum einen ein aus Sicherheitsgründen vorhandenes Kommunikationsbedürfnis in der Schiffahrt, zum anderen waren überhaupt nur Schiffe in der Lage, die monströsen Sende- und Antennenanlagen aufzunehmen. Wie auch bei kabelgebundenen Netzen brachte hier die Erfindung der Elektronenröhre Anfang des 20. Jahrhunderts entscheidende Fortschritte. Kleinere, leistungsfähigere Funkgeräte und Antennen waren die wesentlichen Voraussetzungen für die Entstehung eines „beweglichen Landfunkdienstes“. 1926 konnte man über ein Funktelefon aus Zügen auf der Strecke Hamburg – Berlin Kontakt zu Teilnehmern aus dem Fernmeldenetz aufnehmen. Unmittelbar nach 1945 wurden zunächst Funknetze für Behörden (Polizei, Feuerwehr) auf- und ausgebaut.

Funktelefondienste 1958 begann der systematische Aufbau eines öffentlichen Mobilfunknetzes, des A1-Netzes. Zunächst war geplant nur Großstädte und wichtige Verkehrswege zu versorgen, doch aufgrund der großen Akzeptanz nahm man alsbald die bundesweite Versorgung in Angriff. 1970 waren 80% der Fläche der BRD abgedeckt, was einem Versorgungsgrad von 95% entsprach. Damit war das A1-Netz das weltweit größte zusammenhängende Mobilfunknetz. Zur Entlastung der Gebiete hoher Verkehrsdichte nahm man die Netze A2 und A3 in Betrieb. 1971 erreichten die A-Netze mit 11.000 Teilnehmern ihren Höchststand. Das A-Netz war ein handvermitteltes Netz. So mussten 1971 etwa 600 Vermittlungskräfte eingesetzt werden, um die Funktionalität zu gewährleisten. Ziel der weiteren Entwicklung war nun die Umstellung des Mobilfunks auf Teilnehmerselbstwahl. Diese wurde im B-Netz realisiert, das 1972 startete. Durch den größeren Komfort hatte das B-Netz einen um den Faktor 2,5 größeren Zuspruch als das A-Netz. Bereits 1979 war das B-Netz mit 13.000 Teilnehmern voll ausgelastet. Es genoß zu diesem Zeitpunkt technisch eine weltweite Spitzenstellung. 1980 wurde das B-Netz zum B2-Netz erweitert, das 1986 mit 26.911 Teilnehmern seine Kapazitätsgrenze erreicht hatte. Auf das B-Netz folgte 1986 das C-Netz, das folgende Vorteile gegenüber bisherigen Netzen bot:

  • der Aufenthaltsort des Mobilfunkteilnehmers mußte dem Anrufer nicht mehr bekannt sein,
  • eine Codierung der Funkgespräche sorgte für Abhörsicherheit,
  • eine Gerätenutzung war nur mit einer Berechtigungskarte möglich,
  • die Aufnahmefähigkeit lag bei 400.000 Teilnehmern,
  • leichtere, teilweise auch tragbare Endgeräte (Gewicht ca. 700g) waren verfügbar.

Gebührensenkungen und günstigere Endgeräte machten es möglich, daß das C-Netz 1988 bereits ca. 100.000 Teilnehmer zählte. 1992 schließlich wurden die D-Netze in Betrieb genommen. Das besondere daran war zum einen, daß eine europäische Kommission (GSM) die technischen Rahmenbedingungen absteckte und so das Tor zu einem paneuropäischen Funktelefonsystem öffnete, zum anderen die DBP-Telekom zum ersten Mal einen privaten Netzanbieter für das Gebiet der BRD zuließ. So begann die DBP-Telekom mit dem Betrieb des D1-Netzes und parallel hierzu Mannesmann-Mobilfunk mit dem Betrieb des D2-Netzes. Die wesentlichste Neuerung beim D-Netz war die volldigitale Übertragung, wodurch eine verbesserte Sprachqualität, Sprachverschlüsselung, die Einbeziehung von Datendiensten und letztendlich kleinere und leichtere (< 300 g) Endgeräte, sog. „Handys“, möglich wurden.

1995 hatte der Mobilfunk in Deutschland insgesamt ca. 1,8 Millionen Teilnehmer, Schätzungen von 1988 gingen von ca. 1 Million Teilnehmern gegen Ende der 90er Jahre aus (Subscriberzahlen). Der Preiskampf zwischen den Mobilfunkanbietern bietet dem Teilnehmer eine Vielzahl an Wahlmöglichkeiten. Der Tarife-Jungle ist groß. Hier finden Sie eine ständig aktualisierte Mobilfunk gebühren-Datenbank. Handy-Vergleiche.

Funkrufdienste:
Neben den Mobiltelefondiensten gibt es noch die sog. Funkrufdienste. Diese ermöglichen eine Kommunikation in nur eine Richtung. Bekannteste Vertreter dieser Rufdienste sind einmal der 1974 eingeführte Eurosignaldienst und der 1989 in Betrieb genommenene Cityrufdienst. Der Eurosignaldienst gewährleistet eine Erreichbarkeit in weiten Teilen Europas, allerdings ist hierbei nur eine akustische Signalisierung möglich. Außerdem muß der Anrufer entscheiden, in welcher Rufzone der Ruf ausgestrahlt werden soll.

Der Cityrufdienst beschränkt sich auf das Gebiet der BRD, hierbei ist es aber je nach Rufempfängertyp möglich, neben eines akustischen Rufs auch numerische bzw. alphanumerische Zeichen zu übersenden. Diese werden vom Rufempfänger ausgewertet und in einem Display angezeigt. Desweiteren muß der Anrufer keine Kenntnis über den Aufenthaltsort des Empfängers haben, da der Empfänger bei Anmeldung zu diesem Dienst festlegt, in welchen Zonen er gerufen werden möchte.

Mobilfunk Subscriberzahlen in Europa (Stand: 30.09.1997)

Land Operator Network 31 März 1997 Wachstum seit 31.3.96 Bevölkerung
Östereich Mobilkom GSM 900 365700 171 %
Östereich Mobilkom NMT 450 18490 -31 %
Östereich Mobilkom TACS 900 256670 5 %
Östereich max.mobile GSM 900 42800 8,4 %
Dänemark Sonofan GSM 900 529000 70 %
Dänemark Tele Danmark Mobil GSM 900 538500 65 %
Dänemark Tele Danmark Mobil NMT 450 18350 -32 %
Dänemark Tele Danmark Mobil NMT 900 252700 -9 % 25,8 %
Frankreich Bouygues Telekom GSM 1800 171500
Frankreich France Telekom GSM 900 1806800 95 %
Frankreich France Telekom Radiocom 2000 71800 -57 %
Frankreich France Telekom GSM 1800 7070
Frankreich SFR GSM 900 1152650 165 %
Frankreich SFR NMT 450+ 103250 -21 % 5,0 %
Deutschland T Mobil GSM 900 2550000 49 %
Deutschland T Mobil C-Netz 486700 -23 %
Deutschland E-Plus GSM 1800 615350 102 %
Deutschland Mannesmann GSM 900 2700000 56 % 7,3 %
Griechenland Panafon GSM 900 395050 123 %
Griechenland TeleSTET GSM 900 291505 70 % 6,0 %
Ungarn Pannon GSM 900 195000 89 %
Ungarn Westel 900 GSM 900 306800 131 %
Ungarn Westel 450 NMT 450 76590 -6 % 5,1 %
Italien Omnitel GSM 900 1140400 630 %
Italien Telecom Italia Mobile GSM 900 3123400 344 %
Italien Telecom Italia Mobile TACS 900 3634000 4 % 12,5 %
Luxenburg Luxembourg P&T GSM 900 51740 45 %
Holland PTT Telekom NMT 450 12670 -13 %
Holland PTT Telekom GSM 900 630023 89 %
Holland PTT Telekom NMT 900 297120 15 %
Holland Libertel GSM 900 328340 511 % 7,5 %
Norwegen Netcom GSM 900 304430 27 %
Norwegen Telenor Mobil GSM 900 628803 93 %
Norwegen Telenor Mobil NMT 450 177100 -4 %
Norwegen Telenor Mobil NMT 900 241831 -16 % 30,0 %
Portugal Telecel GSM 900 425000 101 %
Portugal TMN GSM 900 400900 157 %
Portugal TMN C-NET 10470 -24 % 7,0 %
Spanien Airtel GSM 900 839000 933 %
Spanien Telefonica NMT 450 3350 -72 %
Spanien Telefonica GSM 900 1474000 935 %
Spanien Telefonica TACS 900 1179680 15 % 8,4 %
Schweden Comvik GSM 900 491670 13 %
Schweden Europolitan GSM 900 315000 58 %
Schweden Telia Mobile GSM 900 904400 70 %
Schweden Telia Mobile NMT 450 221000 -8 %
Schweden Telia Mobile NMT 900 667700 -5 % 28,9 %
Schweiz Swiss PTT GSM 900 537000 176 %
Schweiz Swiss PTT GSM 1800 153
Schweiz Swiss PTT NMT 900 246750 -17 % 10,4 %
Groß Britanien Cellnet GSM 900 1266000 219 %
Groß Britanien Cellnet TACS 900 1480000 -23 %
Groß Britanien One-2-One GSM 1800 674000 51 %
Groß Britanien Orange GSM 1800 952000 83 %
Groß Britanien Vodafone GSM 900 1660680 184 %
Groß Britanien Vodafone TACS 900 1242000 -28 % 12,2 %

Zahlen aus Mobile Communications International 9 / 1997 30.09.1997

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