Telekommunikationsanbieter

Die neuen Telekommunikationsanbieter von 1998


Nach der Aufspaltung in die Bereiche Postdienst, Postbank und Telekom 1992 war die Liberalisierung des Telekommunikationsmarkts am 1.1.98 der nächste große Einschnitt in die Deutsche Telekommunikationsbranche. Fragen die hier auftauchten waren:

  • Wird das Telefonieren billiger?
  • Wer sind die neuen Konkurenten der Telekom?

Die Kampfansagen der „Neuen“ klangen/klingen vielversprechend:

  • Mehr Kundenfreundlichkeit (‚Deutschlands erstes Nettwork‘, Arcor)
  • Niedrige Preise (‚Wir sind 20 Prozent günstiger als die Telekom‘, o-tel-o)
  • Konvergenz Fest- und Mobilfunknetz (‚Wir sind die einzigen, die Mobil- und Festnetz kombinieren‘, Viag Intercom)

Die Anbieter:

  • Deutsche Telekom AG
  • Archor
  • o.tel.o
  • (Viag Interkom) mittlerweile o2
  • Thyssen
  • MobilCom
  • Telegate

Das Angebot der „Neuen“ am 1.1.1998

ARCOR o.tel.o VIAG InterKom
Sprachtelefonie Zunächst nur für Geschäftskunden Für Privat- und Geschäftskunden Start erst Mitte 98
Preise Unter den Telekom-Tarifen 20-25 Prozent unter Telekom Unter den Telekom-Tarifen
Tarifstruktur National nur 2 Tarifzonen, zwei Zeitzonen, Abrechnung im Sekundentakt Noch keine Angaben Verschiedene Tarifzonen, Takt-Zeiten stehen, aber dazu noch keine Details
Internet- Telefonie „Noch zu viele Fragezeichen“ Ja, über Online-Dienst germany.net Angebot möglich
Internet Einwahlknotennetz Keine konkreten Angaben Komplett-Angebot über Online-Dienst germany.net Flächendeckende Einwahl für Geschäftkunden im Inter- und Intranet-Bereich
Einsatz von Kabelmodems Keine Angaben Tests laufen, Einsatz vorgesehen Grundsätzlich: Ja
Call Center- Angebote Komplette Palette Wesentlicher Angebotsteil Ja

Die Telekom-Konkurrenten im Vergleich

Telekom Archor o-tel-o Viag Interkom
Festnetz (km) 686.000 40.000 11.000 k.A.
Mobilfunkkunden D1 D2 E-Plus (30%) E2 (start 6/98)
in Millionen 2,4 2,5 0,5 k.A.
Investitionen 100 Mrd. DM 4 Mrd. DM 7 Mrd. DM 7 Mrd. DM
(bis zum Jahr) 2001 2001 2005 2007
Umsatz Gewinn ab 2000 63 Mrd. DM (1996) 7-9 Mrd DM in 2005 10-11 Mrd. DM in 2007
Mitarbeiter ca. 190.000 7.000 2.500 450

Service-Leistungen der „Neuen“

ARCOR o.tel.o VIAG InterKom
Rechnungsservice Detailübersicht, exakte Aufschlüsselung Noch keine Angaben Einzelnachweis und Kostenstellenübersicht derzeit vorgesehen
Kundendienst Flächendeckendes Service-Netz an über 100 Standorten Zu Service-Leistungen noch keine Auskünfte Service-Netz wird derzeit aufgebaut
Telefon- Komfortleistungen alle üblichen werden angeboten Noch keine Angaben Noch keine Angaben
Störungsdienst 24h Vorort-Service Noch keine Angaben Kurze Reaktionszeit bei Störungen rund um die Uhr
Info-Telefon 0130-12 72 12 01803-1998 089-5473-8170 (Vertrieb)
Internet www.arcor.net www.o-tel-o.de www.viaginterkom.de

Quelle: TeleTalk 8/97; Telegate und MobilCom wurden in diesen Tabellen noch nicht berücksichtigt.

Ein Jahr nach der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes


Seit einiger Zeit sind weitere Anbieter auf dem Markt, die versuchen sich zu etablieren. Zu nennen sind da Teldafax, Telegate, MobilCom und eine Reihe lokaler Anbieter die mit Niedrigpreisen auf dem Mobilfunk-Markt und im bundesweiten Ferngesprächs-Tarif, auf sich aufmerksam machen konnten. Viele dieser Anbieter starteten auch Versuche als Internet Provider, konnten bis dato aber noch keine großen Erfolge einstreichen, da ihre Netze für diesen Ansturm noch nicht gerüstet waren.

Um all diese Preisvorteile anbieten zu können, haben die Konkurenten der Telekom eigene Telefonnetze für den Ferngesprächstarif aufgebaut. Hiermit haben sie eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber, dem noch großen Bruder, erhalten. Wie die Unternehmen aus dem Mobilfunkbereich (Talkline und MobilCom) allerdings bewießen haben, kann man auch ohne eigene Netze günstige Tarife anbieten. Um im Bereich der Auslandsgespräche Fuß fassen zu können, schlossen einige Telekommunikations- unternehmen Verträge mit internationalen Telefongesellschaften ab.

Die ersten wesentlich günstigeren Tarife für Ferngespräche boten die kleineren Unternehmen, wie Talkline und MobilCom an. O-Tel-O, Viag Intercom und andere schlossen sich als bald an. Anfang 1999 gab es einen weiteren Quantensprung bei den Telefontarifen. Um nun in den Genuß dieser günstigen Tarife zu kommen, gibt es grundsätzlich 3 verschiedene Wege. Man kann für jedes Gepräch gesondert entscheiden, mit welchem Anbieter man telefonieren möchte. Bei diesem sog. Call – by – Call Gespräch, welches zur Zeit wohl die empfehlenswerteste Alternative ist, muß der Nutzer lediglich die Vorwahl des Anbieters vor seiner gewünschten Rufnummer (inkl. Orts-Vorwahl) wählen. Eine weitere Möglichkeit ist Pre – Selection, bei der man sich festelegt, Ferngespäche immer mit einem bestimmten Anbieter durchzuführen. Als letzte Möglichkeit gibt es, den noch nicht empfehlenswerten Wechsel zu einem anderen Anbieter (z.B. Telekom -> Arcor). Hierbei werden für Ortsgespräche, nicht selten auch, die teueren Ferngesprächstarife abgerechnet.

Neben dem Vergleich der Minutenpreise sollte man auch die Taktung berücksichtigen. Bei der Telekom werden die Gebühren in 12-Sekunden Schritten abgerechnet. Bei anderen Anbietern findet man vom ein-Sekunden Takt bis hin zum Minutentakt viele Varianten.

Die Abrechnung der Call – by – Call Gespräche erfolgt bei einigen Anbietern über die Abrechnung der Telekom, bei anderen über eine gesonderte Rechnung. Um einige der neuen Anbieter nutzen zu können muß man sich bei diesen anmelden. Eine solche Anmeldung ist meist über das Telefon möglich und mehr eine Formalität als eine Verpflichtung. Meist entstehen weder Kosten (An-, Abmeldegebühren, Mindestumsatz, Grundgebühren…) noch irgendwelche Verpflichtungen.

Um bei diesem Tarife-Jungel noch durchzublicken, gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten. Zum Einen bieten die Presse und andere Medien (Internet, Rundfunk), eine Reihe von Informationsquellen. Zum Anderen kann man sich sog. Least-Cost-Router installieren. Hierbei handeld es sich um kleine Geräte, die zwischen Telefon und Anschlußbuchse der Telekom geschaltet werden. Diese kleinen Helfer suchen bei jedem Anruf, die kostengünstigste Möglichkeit für den Benutzer heraus. Für den privaten Haushalt sind diese Geräte allerdings noch zu teuer. Nicht nur die Anschaffungskosten von einigen hundert DM, sondern auch noch die regelmäßige Aktualisierung über eine 0190-Nummer rechnet sich für den durchschnittlichen Anwender kaum.

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